Vereinigte
Brücken Magdeburg
Primäres Ziel bei der Entwicklung meines vorliegenden Entwurfes war es, die alten noch bestehenden Vorlandbrücken bzw. Brückenteile zu erhalten und teilweise in die neu entstehende Brücke einzubeziehen. Neu und alt sollten dabei jedoch nicht miteinander verschmelzen sondern klar erkennbar sein. Damit durfte der bestehende Teil nicht direkt in die Konstruktion einbezogen werden.
In einem
ersten Entwurf war deshalb auch geplant, mit einem Abstand von ca. 10m von der
alten Sternbrücke eine komplett neue Brücke entstehen zu lassen und diese nur
partiell mit den alten Pfeilern zu verbinden. Dabei entstanden jedoch erhebliche
Probleme bei der Straßenführung, da der bestehende Verkehrsweg erheblich
umgelegt werden müsste.
Deshalb
wurde in dem nun vorliegenden Entwurf die ursprüngliche geradlinige Straßenführung
beibehalten. Die bestehenden Fundamente sollten wegen ihres teilweise
schlechten Zustandes statisch nicht mehr erheblich belastet werden und somit
musste eine Lösung gefunden werden, die Strasse konstruktiv anders über die
Elbe zu führen. Als Lösung wurde das vorliegende Konzept gefunden.
Es handelt sich dabei um zwei Primärtragwerke die links und rechts der alten Vorlandbrücken auf neu anzulegenden Fundamenten und Pfeilern aufgelagert werden. Die Tragwerke funktionieren wie Raumtragwerke und nehmen in sich verteilt auf zwei Etagen Wohnungen, ein Hotel, ein Restaurant, öffentliche WC-Anlagen, diverse Läden und einiges mehr auf. Dabei befinden sich alle öffentlichen Bereiche im unteren Geschoss und das obere Geschoss wird durch Wohnungen und Hotelzimmer geprägt. Jeweils zwei Wohnungen werden gemeinsam durch ein Treppenhaus erschlossen.
Die
Tragwerke werden in Längsrichtung durch Andreaskreuze ausgesteift und in
Querrichtung durch tragende biegesteife Sandwichwände und Decken. Als
Sekundärtragwerk wurden zwischen die Raumtragwerke im Abstand von 12m Träger
gelagert, welche die Strasse und gleichzeitig auch die Fußwege tragen. Somit
wurde eine starke Belastung der alten Pfeiler verhindert und es wurde auch eine
Entkopplung von Straßenbereich mit Lärm und Vibration erreicht.
Die Primärtragwerke haben einen Abstand von 30m zueinander. Direkt daran schließen sich die Fußwege an - die Flaniermeile mit je 5m Breite. Die beiden folgenden auch 5m breiten Abschnitte lassen den Blick auf die Elbe frei, bevor die in der Mitte liegende 10m breite Strasse folgt. Um die beiden Flaniermeilen wieder miteinander zu verbinden, wurden Fußgängerstege ausgebildet, die sich jeweils über den Trägern der Strasse befinden. Da der Straßenbereich als verkehrsberuhigter Bereich angedacht ist, besteht für die Fußgänger keine Gefahr bei der Überquerung der Strasse. Die Fußgängerwege und Überquerungsstege sind durch Geländer abgesichert. Die Strasse erhält beidseitig leitplankenähnliche Absicherungen.

Als ein Schwierigkeit stellte sich bei dem Entwurf der Höhenunterschied von ca. 2m zwischen dem Ost- und Westufer heraus.
Der höhere Bereich befindet sich auf dem Westufer, wo sich der Kindergarten sehr weit in das Ufergebiet hineinschiebt. Das Ostufer ist tiefer gelegen.
Es fand sich folgende Lösung:
Um in der Konstruktion der beiden Riegel (Primärtragwerke) keine größeren Probleme auftreten zu lassen, wurden diese von mir auf dem niedrigeren Niveau über die Elbe geführt. Das bereitete bei dem kurzen Riegel keine weiteren Schwierigkeiten. Der nördliche Riegel scheint sich mit seinem Ende in den Erdboden zu schieben. Da die eigentliche Brücke mit ihrer Tragkonstruktion hier -gekennzeichnet durch den Durchgang- bereits beendet ist, konnte ich im folgenden die Konstruktion verändern und es ergaben sich keine weiteren Probleme. Das Erdgeschoss, welches sich hier im Boden befindet, wird in Stahlbeton ausgeführt und die übrige Konstruktion wird wie auch schon die Brücke Aus eingespannten Doppel-T Trägern gefertigt. Damit können die Andreaskreuze im der Fassade entfallen und es ist sofort von außen sichtbar, dass die Konstruktion eine andere ist.
Um die Geschäfte problemlos erreichen zu können mussten auch die Fußwege ihr Niveau beibehalten. Die Straße hingegen, welche die gleiche Konstruktion nutzt wie die Fußwege, musste in westlicher Richtung ansteigen. Das wurde durch entsprechende Konstruktion der Träger erreicht, und hatte zur Folge, dass jeder Träger eine andere Form erhielt.
Die Fassaden der Primärtragwerke sind als vollverglaste Flächen angedacht und umschließen das Tragwerk von außen, wie auch das Dach und die Unterseite. Somit treten keine Wärmebrücken im Bereich der Wohnungen auf. Lediglich im Untergeschoss im Anschlussbereich der Straßenträger kommt es zu Wärmebrücken, die aber vernachlässigt werden können, da sich hier nur Läden und öffentliche Bereiche befinden.
Auf der Südseite der Tragwerke ist ein Sonnenschutz
angedacht. Die Verglasung im Bereich von Schlafzimmern, Bädern und anderen
intimen Bereichen sollte geätzt oder sandgestrahlt werden, um direktes
durchschauen zu verhindern.
Durch diese Komplettverglasung wird die Brücke sehr
transparent und stört die Stadtansicht nicht so stark, wie es eine geschlossenen
Konstruktion tun würde. Der Dom und andere Bauwerke scheinen noch durch und
lassen sich erahnen.
Das Beleuchtungskonzept sieht vor, dass jeweils die drei äußeren durchgehenden Träger, welche durch die Profile der Verglasung verdeckt werden nochmals durch durchgehende farbige Leuchtstreifen markiert werden. Im Inneren sollte eine Beleuchtung der Fußgängerwege durch Beleuchtungsstreifen im Bereich des mittleren Durchlaufträgers erreicht werden. Des weiteren sollten die Handläufe der Geländer sowie die Fahrbahnbegrenzungen (im weitesten Sinne Leitplanken) mit Beleuchtung versehen werden. Somit würde sich in der Nacht ein interessantes Lichtspiel ergeben.
Ingmar Franke und Mandy Zepernick - September 2000